Autor: Armin Biermann

Kulturwissenschaftler & Soziologe, Spezialist für Adressverwaltung. Anbieter von Business-Lösungen für alle Tätigkeiten, die mit Adressen und Microsoft Office zu tun haben.

Apocalypse Now

Als Francis Ford Coppolas Meisterwerk über den Wahnsinn des Krieges 1979 in die Kinos kam, löste es unter uns Studenten kontroverse Diskussionen aus, wie ich sie selten erlebt habe. Einige sahen darin eine inakzeptable Verherrlichung von Gewalt, andere hielten dem Regisseur vor, Gewalt durch schöne, mit – klassischer – Musik unterlegte Bilder zu ästhetisieren – und auf diese Weise sträflich zu verharmlosen. Eine dritte Gruppe teilte meine Auffassung, Coppola sei ein genialer Antikriegsfilm gelungen, der über solche Vorwürfe erhaben sei.

An Apocalypse Now scheiden sich vermutlich heute noch die Geister. Wer diese schwere Kost bis zum Ende angeschaut und das barbarische Gemetzel ausgehalten hat, wird die Bilder wohl nie wieder vergessen und begriffen haben, dass Krieg um alles in der Welt verhindert bzw. beendet werden muss. Denn die Realität ist unendlich viel grausamer als eine filmische Annäherung – zur Abschreckung – je darzustellen vermag. Leider vergeht bis heute kein einziger Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt kriegerische Auseinandersetzungen und unerträgliche Rückfälle in die Barbarei stattfinden.

Coppolas Film, der auf die Gräuel des Vietnamkrieges reagierte, hat – zum Entsetzen vieler Menschen – nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Der Wahnsinn ist zurück, und 'Apocalypse Now' bringt gerade ziemlich treffend die Stimmung und die Befürchtungen auf den Begriff, die viel zu viele Ereignisse und Entwicklungen der letzten Zeit heraufbeschworen haben. Selbst unerschütterliche Optimisten gelangen an ihre Grenzen…

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Von Armin Biermann in Allgemein

3 Jahren vor, 11 Minuten Lesezeit

Wenn digitale Medien auf wenig Bildung treffen

Seit nunmehr vier Jahren beschäftige ich mich in meinem Blog mit Phänomenen unserer heutigen Gesellschaften, die durch die Digitalisierung entweder entstanden sind oder grössere Bekanntheit und Bedeutung erlangt haben. Oft geht es um Problemlagen, für die mit wachsender Dringlichkeit Lösungen gefunden werden müssen, während ihr ganzes Ausmass und ihre volle Tragweite noch kaum überblickt werden. Meine Analysen, bei denen sich erstaunlich viele Kreise zu meinen soziologischen und kulturwissenschaftlichen Studien schliessen, die bis in die 80er Jahre zurückreichen, landen aus ganz verschiedenen Richtungen – und sicher nicht zufällig – immer wieder bei demselben Ergebnis: viele unserer grössten Herausforderungen lassen sich hauptsächlich zwei Ursachen zuordnen, welche ihre negativen Effekte zudem wechselseitig verstärken, wenn sie aufeinandertreffen: ein niedriges Bildungsniveau und digitale Medien.

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Von Armin Biermann in Allgemein

4 Jahren vor, 23 Minuten Lesezeit

Verfall und Ende des anthropozentrischen Weltbildes

Dieser Sommer der Extreme hat uns mit epochalen Naturereignissen heimgesucht. In Bern sahen wir die Sonne in den letzten Wochen immer nur für Momente, Tageshöchstwerte unter 18° C waren in diesem Juli keine Seltenheit. Das riesige Tief über Europa drehte sich auf der Stelle und saugte wohl unaufhörlich Luftfeuchtigkeit aus dem Mittelmeer-Raum an, die es dann über uns abregnen liess. Luzern stand teilweise unter Wasser, Bern war bis vor kurzem akut bedroht. Schlimmer ist die Situation in Deutschland, wo in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen binnen 24 Stunden bis zu 163 Liter/m² fielen, was Bäche und Flüsse in rohe Naturgewalten verwandelte, die es dort so wohl noch nie gegeben hatte. Die Wassermassen rissen Häuser und Brücken fort, machten ganze Dörfer dem Erdboden gleich. Aus den Spuren der Verwüstung wurden schon über 150 Todesopfer geborgen, viele Menschen werden noch vermisst. Unter einem ähnlichen Schicksal leiden auch andere Regionen der Erde, in denen wochen- und monatelang auf der Stelle rotierende Hochs die Luft auf bis zu 56° erhitzen und verheerende Brände auslösen. Die Temperaturen sind so extrem, dass das Wasser aus den Löschflugzeugen verdunstet, bevor es auf die Flammen trifft. Die Anzahl der nachweislichen Hitzetoten nimmt weltweit signifikant zu.

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Von Armin Biermann in Allgemein

4 Jahren vor, 15 Minuten Lesezeit

Über strukturelle Probleme und erzwungene Strukturwandel

In letzter Zeit verzeichnen wir eine ungewöhnliche Häufung schrecklicher Missstände, die in ganz verschiedenen Bereichen unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaften aufgedeckt werden und zu Recht die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit erregen. Der eigentliche Skandal besteht oft darin, dass sie so lange erfolgreich vertuscht werden konnten, obwohl sich darunter wirklich krasse Fälle befinden. Doch nun laufen ja immer gleich die hochauflösenden Kameras zufällig anwesender Smartphones mit und übertragen jedes skandalträchtige Geschehen live und ungefiltert in die Sozialen Medien. Viele der Aufnahmen erreichen so binnen kürzester Zeit ein Millionenpublikum rund um den Globus. Zuletzt kamen Orte mit besonders heftigen Infektionsgeschehen ans Licht, an denen Menschen unter unwürdigen Verhältnissen ein völlig schutzloses Dasein fristen, etwa in der Landwirtschaft zur Erntezeit oder in der fleischverarbeitenden Industrie. Auch die quälend lange Erstickung des Afroamerikaners George Floyd durch einen rassistischen Polizisten bei einer Kontrolle am 25. Mai 2020 löste Entsetzen auf der ganzen Welt aus. Seither kreisen schlimmste Befürchtungen um die Fragen, welche menschlichen Abgründe uns sonst noch verheimlicht werden und wie hoch die Dunkelziffer der gravierenden Missstände wohl sein mag…

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Von Armin Biermann in Allgemein

5 Jahren vor, 13 Minuten Lesezeit

Dolmetschervermittlung zwischen Anspruch und Realität

Das Internet zeichnet sich durch den unbestreitbaren Vorteil aus, mit ganz verschiedenen Geräten (Smartphones, Tablets, Computern, TV etc.) fast immer und überall zugänglich zu sein. Folglich eignet es sich ideal für den Aufbau von Plattformen für die Koordinierung der Kommunikation zwischen Menschen mit konvergierenden Interessen. Darunter fällt seit längerem auch die Vermittlung von Freiberuflern aus verschiedenen Berufsgruppen.

Bhaasha ist eine solche Plattform, über die Dolmetschdienste freiberufliche Dolmetscher vermitteln können sollen, wie der Slogan auf der Website verkündet: „Den richtigen Dolmetscher finden – Wann und wo sie ihn benötigen“. Die Macher hinter Bhaasha sehen ihre Aufgabe folgendermassen: „Wir entwickeln Technologien, um Zugriff auf kompetente Dolmetscher anzubieten, Kommunikation über sprachliche Barrieren hinaus sicherzustellen und so letztendlich jeder Person die Möglichkeit für einen diskriminierungsfreien Zugang zu Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Justiz zu geben“. Und bewerkstelligen wollen sie das so: „Wir bringen innovative Technologien und entsprechende IT-Rechenleistung ein, um die Effizienz im Bereich interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln zu optimieren und einen individuellen zeit- und sachgerechten Zugriff auf Dolmetscher zu gewährleisten“ (Hervorhebungen innerhalb der Zitate von mir).

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Von Armin Biermann in Rückschritt durch Technik

6 Jahren vor, 14 Minuten Lesezeit

Rückschritt durch Technik

Von Ausnahmen – wie etwa der Erfindung des Dynamits oder der Atombombe – abgesehen, verstehen wir seit jeher die Technik-Geschichte mit ihren bahnbrechenden technologischen Errungenschaften als eine Fortschrittsgeschichte, die immer mehr Menschen ein immer bequemeres und angenehmeres Leben ermöglicht hat. Diese Lesart steckt auch hinter dem Slogan 'Vorsprung durch Technik' eines deutschen Automobilherstellers, auf den ich natürlich anspiele, wenn ich in meinem Blog nun eine Rubrik 'Rückschritt durch Technik' eröffne.

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Von Armin Biermann in Rückschritt durch Technik

6 Jahren vor, 4 Minuten Lesezeit

TwixTel oder Die Chronik eines angekündigten Todes

Im Dezember wartete das digitale Telefonbuch für die Schweiz und für Liechtenstein mit einer Hiobsbotschaft auf: TwixTel 61 (12/2019) ist die letzte Ausgabe, danach ist Schluss… Dieses Ende stand zwar schon länger im Raum, kam dann aber doch überraschend. Der schlichte Hinweis auf der DVD sorgte bestimmt für manchen Schockmoment, weil mit TwixTel gefühlt ein weiteres Stück Schweizer Kulturgut verlorengeht. Die vielleicht bekannteste Software der Schweiz wird nach gut drei Jahrzehnten eingestellt. Wie konnte es nur so weit kommen? Und wie typisch ist diese Entwicklung für den Software-Markt insgesamt? Was sagt sie über uns und unsere Gegenwart aus? Zeit für einen Rückblick… und ein paar Antworten…

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Von Armin Biermann in Allgemein

6 Jahren vor, 15 Minuten Lesezeit

Über den Faszinationstyp Quiz in der Gegenwart

Quiz-Shows, gerne auch kombiniert mit Spieleinlagen, haben seit Ende der 1950er Jahre ihren festen Platz in der Programmlandschaft der deutschen Fernsehunterhaltung. Die wöchentlich oder monatlich ausgestrahlten Formate begeisterten damals schon – nicht nur aufgrund eines noch sehr bescheidenen Programmangebots – ein Millionenpublikum und erlangten zum Teil sogar Kultstatus, bevor sie irgendwann wieder von der Bildfläche verschwanden. Neuauflagen wie bei der legendären Show Einer wird gewinnen (nach zehn Jahren Unterbrechung!) blieben die Ausnahme.

Seit 20 Jahren lässt sich nun ein verblüffender Trend beobachten: angefangen mit Wer wird Millionär? (1999) sind über 50 neue Quiz-Formate wie Pilze aus dem Boden geschossen, weitere kommen laufend hinzu oder sind in Vorbereitung. Staffeln einzelner Formate laufen wochen- oder monatelang montags bis freitags im Vorabendprogramm, ohne erkennbare Anzeichen einer Ermüdung oder Abnutzung. Derzeit ist nur schwer vorstellbar, dass eines dieser Formate je wieder ganz aus dem Programm genommen werden könnte, was sich nicht zuletzt im selbstbewussten Auftreten der Hauptakteure widerspiegelt. Und weil die massenhaft produzierten Sendungen auch noch zu jeder Tages- und Nachtzeit wiederholt werden, kann man inzwischen rund um die Uhr Ratespiele auf mindestens einem der Fernsehkanäle verfolgen – und bei deren Erstausstrahlung nicht selten per Telefon oder App daran teilnehmen. Und das ist nur die Spitze des Eisberges…

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6 Jahren vor, 15 Minuten Lesezeit

Was bewirkt politisch korrekte Sprache?

Schon vor über 40 Jahren hatten Wissenschaftlerinnen in der 'Geschlechterforschung' herausgearbeitet, dass das Weibliche in der Gesellschaft bis tief in die Sprache hinein unterrepräsentiert ist, und diese Strukturen als Symptom patriarchaler Unterdrückung stigmatisiert. Schwer beeindruckt hat mich damals eine Entdeckung in der berühmten Encyclopédie von Diderot und D'Alembert, die im XVIII. Jahrhundert das gesamte Wissen ihrer Zeit erfassen wollte: während zum Eintrag 'homme' ('Mann' & 'Mensch'!) seitenlange Traktate zu finden sind, besteht der Eintrag 'femme' ('Frau') aus einem einzigen Satz: c’est la femelle de l'homme (das ist das Weibchen des Mannes). Die Beobachtung war insofern überraschend, als sich die Autoren der Encyclopédie aus der Crème de la Crème der Philosophen der Französischen Aufklärung rekrutierten, die sich bekanntlich 'Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit' auf ihre Fahnen geschrieben hatten.

Auch der Feminismus hat seine Wurzeln in den Idealen der Aufklärung und blickt damit auf eine lange Tradition zurück. Trotzdem gibt es heute noch Gleichstellungsbeauftragte, finden noch Frauen-Quoten bei der Besetzung von Posten und Gremien Anwendung und werden Frauen selbst in den Ländern, die sich in der Tradition der Europäischen Aufklärung verstehen, im Schnitt noch deutlich schlechter bezahlt als Männer. Auch die Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft werden immer noch mehrheitlich von und mit Männern besetzt. Was ist da schiefgelaufen in den Bemühungen, die 'Gleichheit' der Menschen vom Sockel eines 'Ideals' auf der Repräsentationsebene der Gesellschaft herunterzuholen in die Niederungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit, wo nach wie vor so viel Ungleichheit anzutreffen ist?

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Von Armin Biermann in Allgemein

6 Jahren vor, 25 Minuten Lesezeit

Über den Verfall der Gewissheiten und die Folgen

Als Wolfgang Beltracchi 2010 wegen einer Unachtsamkeit als Kunstfälscher aufflog, war er mit einer ebenso genialen wie kriminellen Methode längst Multimillionär geworden. Er hatte über Jahre nicht einfach perfekte Kopien kostbarer Gemälde angefertigt und in Umlauf gebracht, sondern Künstler wie Max Ernst oder Fernand Leger 'weitergemalt', neue Originale im Stile der Meister hergestellt, die dann als 'unbekannte Werke' zufällig auf irgendeinem Dachboden oder in irgendeinem Nachlass 'entdeckt' wurden. Die richtigen Materialien für die chemische Analyse, falsche Expertisen und der indirekte Verkauf über Auktionshäuser machten das Verbrechen perfekt – und gaben im nachhinein den gesamten Kunstmarkt der Lächerlichkeit preis. Andeutungen zufolge gibt es wohl weltweit noch etliche Museen und Sammler, die nicht einmal ahnen, dass sie einen 'echten Beltracchi' zu einem recht hohen Preis erworben haben.

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Von Armin Biermann in Allgemein

6 Jahren vor, 15 Minuten Lesezeit