Apocalypse Now
Als Francis Ford Coppolas Meisterwerk über den Wahnsinn des Krieges 1979 in die Kinos kam, löste es unter uns Studenten kontroverse Diskussionen aus, wie ich sie selten erlebt habe. Einige sahen darin eine inakzeptable Verherrlichung von Gewalt, andere hielten dem Regisseur vor, Gewalt durch schöne, mit – klassischer – Musik unterlegte Bilder zu ästhetisieren – und auf diese Weise sträflich zu verharmlosen. Eine dritte Gruppe teilte meine Auffassung, Coppola sei ein genialer Antikriegsfilm gelungen, der über solche Vorwürfe erhaben sei.
An Apocalypse Now scheiden sich vermutlich heute noch die Geister. Wer diese schwere Kost bis zum Ende angeschaut und das barbarische Gemetzel ausgehalten hat, wird die Bilder wohl nie wieder vergessen und begriffen haben, dass Krieg um alles in der Welt verhindert bzw. beendet werden muss. Denn die Realität ist unendlich viel grausamer als eine filmische Annäherung – zur Abschreckung – je darzustellen vermag. Leider vergeht bis heute kein einziger Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt kriegerische Auseinandersetzungen und unerträgliche Rückfälle in die Barbarei stattfinden.
Coppolas Film, der auf die Gräuel des Vietnamkrieges reagierte, hat – zum Entsetzen vieler Menschen – nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Der Wahnsinn ist zurück, und 'Apocalypse Now' bringt gerade ziemlich treffend die Stimmung und die Befürchtungen auf den Begriff, die viel zu viele Ereignisse und Entwicklungen der letzten Zeit heraufbeschworen haben. Selbst unerschütterliche Optimisten gelangen an ihre Grenzen…
Von in Allgemein
3 Jahren vor, 11 Minuten Lesezeit